Die Herkunft

Die Forschung über die Herkunft des Manuskripts begann mit Voynich, der 1921 einen ersten Artikel[1] veröffentlichte. Er hatte zwischen den Seiten einen Brief gefunden, der ursprünglich am hinteren Buchdeckel befestigt war. Dieser wurde von Johannes Marcus Marci an den Jesuiten Athanasius Kircher geschrieben. 

Johannes Marcus Marci wurde am 13.6.1595 in Landskron (deutsch: Kronland) in der heutigen Tschechischen Republik geboren.

1608 begann er am Jesuiten Schule von Jindrichuv Hradec (Südostböhmen) zu studieren und wechselte dann nach Olomuc, wo er bis 1618 Philosophie und Theologie studierte. Ursprünglich wollte er danach Priester werden, brach jedoch die Ausbildung ab, um in Prag Medizin zu studieren. 1625 erreichte er seinen Abschluss und arbeitete als Arzt, bis er 1630 eine Professur an der Prager Karls Universität erlangte. Er wurde zunächst zum Dekan der medizinischen Fakultät und dann zum Rektor ernannt.

Bei einem Besuch 1638 in Rom traf er Athanasius Kircher, mit dem er sich anfreundete und der ihn in orientalische Sprachen, vor allem ins Arabische, einführte.

Als Prag 1648 von den Schweden belagert wurde gründete Marci eine eigene studentische Militäreinheit, die er auch anführte und für deren Verdienste er 1654 in den Adelsstand erhoben wurde.

Marci forschte auf den Sektoren Medizin, Mechanik und Optik. Er veröffentlichte 1639 „De proportione motus“, wo er seine Theorie von der Kollision von Körpern beschrieb. 1648 folgte dann „Thaumantias liber de arcu coelesti“ und 1650 „Dissertatio de natura iridis“, in denen er seine Forschungen in der Optik beschrieb, insbesondere auch die Lichtbeugung. Auf medizinischem Sektor widmete sich Marci Themen der Neurologie und der Psychologie, z.B. dem Ursprung von epileptischen Anfällen. Als Arzt fungierte er als Leibarzt von Ferdinand III. und dessen Nachfolger Leopold I.

Marci starb in Prag am 10.4.1667.

Athanasius Kircher wurde am 2. 5. 1602 in Geisa bei Fulda geboren. Er erhielt von 1614 bis 1618 eine Ausbildung am Jesuiten-Kollegium in Fulda und trat im Anschluss daran dem Orden bei. Er studierte zunächst Philosophie und Theologie in Paderborn, bis 1622 protestantische Truppen einrückten. Auf der Flucht nach Köln brach er bei der Überquerung des zugefrorenen Rheins ins Eis ein und entging nur knapp dem Tod. In der Folgezeit unterrichtete er als Lehrer in Heiligenstadt Mathematik, Hebräisch und Arabisch. 1628 wurde er Priester und folgte einem Ruf als Professor für Mathematik und Ethik an die Universität Würzburg. Sein erstes Buch „Ars Magnesia“ veröffentlichte er 1631 und musste im selben Jahr wieder vor den Protestanten, diesmal im Dreißigjährigen Krieg, fliehen. Sein Weg führte ihn an die Päpstliche Universität von Avignon in Frankreich. Der Kaiser des heiligen römischen Reiches deutscher Nation Ferdinand II. berief ihn 1633 zum Nachfolger Johannes Keplers als Mathematiker an den Hof der Habsburger nach Wien. Aufgrund von Intrigen wurde diese Berufung aber widerrufen und Kircher ging stattdessen nach Rom. Von 1638 an unterrichtete er am Collegium Romanum Mathematik, Physik und orientalische Sprachen. Er forschte an Krankheiten wie Malaria und Pest und baute eine Sammlung von Antiquitäten auf, die so bedeutend war, dass für sie eigens ein „Museum Kicherianum“ geschaffen wurde. Er entdeckte 1661 die Ruinen einer Kirche in Mentorella bei Tivoli, die angeblich von Konstantin dem Großen an der Stelle errichtet worden war, an der sich eine Jesuserscheinung zugetragen haben sollte. Er organisierte den Wiederaufbau und verfügte die dortige Beisetzung seines Herzens.

Athanasius Kircher starb am 27.11.1680 in Rom.

Kircher arbeitete als Universalforscher auf vielen verschiedenen Gebieten wie Mathematik, Physik, Chemie, Astronomie, Biologie, Medizin, Geologie, Geschichte und Sprachen. 1628 stieß er in der Bibliothek von Speyer in Deutschland auf eine Hieroglyphensammlung. Er lernte 1633 Koptisch und veröffentlichte dazu die erste Grammatik[2]. Er erkannte außerdem, dass Koptisch keine separate Sprache war, sondern eine Weiterentwicklung des antiken Ägyptisch, und auch, dass die hieratischen Schriftzeichen nur flüssig geschriebene Hieroglyphen waren.

Kircher entwickelte Systeme zur verschlüsselten Übertragung von Nachrichten („Stenographia“ und „Cryptologia“), die Hohlspiegel verwendeten und mit denen militärische Kommandos bis zu drei Kilometer geheim übertragen werden konnten.

Als Marci seinem Freund Kircher 1665 das Voynich-Manuskript übersandte schrieb er in dem oben abgebildeten Brief, dass dieses Buch ihm von einem engen Freund vermacht worden sei und er es nun sofort schicke, wo es in seinen Besitz gekommen sei, weil niemand außer Kircher in der Lage sei, es zu lesen.  Der frühere Eigentümer hätte schon einst nach Kirchers Meinung gefragt und ihm eine Kopie eines Buchteiles übersandt, aber zu der Zeit abgelehnt, das Original zu schicken. Dieser hätte in die Entschlüsselung nicht nachlassende Mühen in Versuche gesteckt, die Marci beifüge und die erst mit dessen Tod geendet hätten. Aber seine Mühen wären vergeblich gewesen, da diese Rätsel niemandem gehorchten als ihrem Meister, Kircher. Kircher möge dieses, so überfällig es auch sei, als Zeichen der Verehrung Marcis nehmen und die Sperren, wenn da welche wären, in gewohntem Erfolg durchbrechen. Dr. Raphael, der Böhmischlehrer von Ferdinand III., dem König von Böhmen, war, hätte Marci erzählt, dass das Buch dem Imperator Rudolph gehört habe, der für das Buch 600 Dukaten an den Überbringer gezahlt habe. Er hätte geglaubt, der Autor des Buches wäre der Engländer Roger Bacon gewesen. Die Anlagen zu dem Brief, von denen Marci schrieb, sind nicht mehr vorhanden.

Der enge Freund, über den Marci schrieb, hieß Georg Baresch, der vermutlich von 1590 bis 1665 lebte und ein Alchemist in Prag war. Er schrieb bereits 1637 einen Brief an Kircher, der bis heute im Archiv der Pontificia Università Gregoriana in Rom unter dem Aktenzeichen APUG 557, folio 353 verwahrt wird.

Der Vorbesitzer des Voynich-Manuskripts war Jacobus de Tepenecz (1575 - 1622), dessen gelöschte Unterschrift sich auf dem unteren Rand der ersten Seite bei spezieller Beleuchtung erkennen lässt.

Tepenecz wurde als Jacobus Horčický in Krumlov als Kind armer Eltern geboren. Er diente als Küchenjunge bei den Jesuiten, wo der Rektor Bernard Koch Fähigkeiten in ihm erkannte und ihn 1590 zum Seminar für arme Studenten anmeldete. Dort traf er auf Martin Schaffer (1564 – 1608), einen sehr versierten Chemiker und Pharmazeuten, mit dem er viel Zeit verbrachte. Unter dessen Anleitung absolvierte er das Krumlov Gymnasium und schloss eine zweijährige pharmazeutische Ausbildung ab. Danach wurde er um 1598 zum Clementinum in Prag geschickt, wo er die Philosophie von Aristoteles studieren sollte. Die Ausbildung dort interessierte ihn aber nicht und er hätte lieber seine chemischen Arbeiten fortgesetzt. Schließlich erlaubten ihm die Jesuiten einen Kräutergarten in Smichov anzulegen, der spätere botanische Garten der Universität. Er baute dort ein Laboratorium auf und verkaufte sehr erfolgreich eine Destillation, die unter dem Namen „Aqua Sinapis“ bekannt wurde. Nach einer gewissen Zeit kam er durch den Verkauf seiner Produkte zu so großem Reichtum, dass er in der Lage war, sogar dem Kaiser größere Summen Geld zu leihen. Im Jahre 1600 wurde er Leiter einer neuen Jesuiten-Schule im damaligen Neuhaus. Durch Vermittlung des dortigen Großgrundbesitzers Wilhelm Slavata wurde er kurz vor 1606 Verwaltungsleiter über den Besitz des Mönchsklosters der Prager Burg, St. Georg. Dort verbrachte er den größten Teil seiner Zeit mit alchemistischen Arbeiten. Schließlich wurde Kaiser Rudolph 1607 auf ihn aufmerksam und berief ihn zum Chemiker des Reiches. Als er 1608 den Kaiser von einer schweren Krankheit heilte, erhielt er den Titel „de Tepenecz“. Als in der Folgezeit religiöse Kämpfe ausbrachen, nahm er eine streng katholische Position ein und veröffentlichte ein entsprechendes Schreiben. Als Protestanten seiner habhaft wurden, verbrachten sie ihn zunächst in das Gefängnis von Melnik, von der er in die Haft nach Wien überstellt wurde. Im Januar 1620 kam er bei einem Gefangenenaustausch frei, musste aber das Land verlassen. Nach einer siegreichen Schlacht der Katholiken kehrte er wieder zurück und lebte in Melnik, bis er 1622 durch einen Sturz vom Pferd ums Leben kam. Da Jacobus Horčický den Titel „de Tepenecz“ erst 1608 erhielt, konnte das Manuskript wohl nicht vorher in seinen Besitz gekommen sein.

Der Vorbesitzer war Marci zufolge Rudolph II. von Habsburg. Er wurde am 18.7.1552 geboren und von seinem zwölften bis zum achtzehnten Lebensjahr am Hofe seines Onkels, König Phillip II., in Spanien zusammen mit seinem Bruder Ernst erzogen.

In dieser Zeit war die Dynastie der Habsburger die stärkste Macht in Europa und dies hatten sie nicht allein durch Eroberungen erreicht. Eine territorial ausgerichtete Heiratspolitik hatte sehr geholfen. Doch Rudolph II. hatte unter dem Ruf des verrückten Eigenbrödlers zu leiden.  Von ihm wird in historischen Quellen erzählt er habe nur Alchemisten und Astrologen in seiner Umgebung geduldet. Aber zu seiner Regierungszeit erlebte Prag auch eine kulturelle Blüte wie sonst nie wieder.  

Aus Spanien brachte er 1571 nicht nur die Abneigung gegen die Institution der Ehe sondern auch gegen Protestantismus und Beichte mit nach Hause. Seine spanischen Verwandten hatten versucht ihn mit der Tochter seines Onkels, Isabella, zu verheiraten. Auch als diese 1597 seinen Bruder Albrecht heiratete, wurde er die Angst vor Einmischungsversuchen seiner Verwandten nicht los. Um das Jahr 1600 verlegte Rudolph in der Hoffnung, der Hektik in Wien zu entkommen, den Sitz seiner Residenz nach Prag. Er verbrachte viel Zeit umgeben von Himmelskarten und den bekanntesten Astrologen seiner Zeit: Tycho Brahe und Johannes Keppler, um nur die berühmtesten zu nennen.

 Währenddessen wurden wichtige politische Entscheidungen von ihm nicht oder zu spät gefällt. Feinde des Reiches nutzten Rudolphs Schwäche und okkupierten deutsche Städte. 1606 entschied der habsburgische Familienrat seinen Bruder Matthias als Nachfolger zu lancieren. Beide Brüder stellten Armeen auf und bedrohten sich gegenseitig. 1607 deutete Rudolf das Erscheinen des Halleyschen Kometen als Vorzeichen eines blutigen Anschlages durch Matthias auf ihn. Er förderte daher den Bruder und Erzherzog Ferdinand und schickte diesen als seinen Vertreter 1608 auf den Reichstag nach Regensburg. Daraufhin marschierte Matthias mit 20.000 Mann in Böhmen ein. Rudolf musste sich mit ihm vergleichen und überließ ihm die Verwaltung Ungarns und Mährens und akzeptierte ihn als Nachfolger. Gleichzeitig versprach er den Böhmen Religionsfreiheit und diese stellten im Gegenzug ein Heer für ihn auf. 1609 beauftragte Rudolph seinen 30jährigen Neffen Erzherzog Leopold mit dem Aufbau eines weiteren Heeres. Dieser galt jedoch als Phantast und Abenteurer. Seine 12.000 Mann zogen plündernd durchs Land und fielen schließlich in Böhmen ein. Als sie vor Prag standen, riefen die Böhmen Matthias zur Hilfe und Rudolph musste 1611 abdanken. 1612 wurde Matthias zum Kaiser gewählt, regierte aber nur bis 1617. Sein Nachfolger wurde Erzherzog Ferdinand (Ferdinand II.).

Rudolph II. starb am 20.1.1612.

Dass dieser alchemistisch interessierte Rudolph 600 Dukaten, nach damaligen Maßstäben ein Vermögen, ausgab, um an ein magisches Alchemie-Buch zu gelangen, erscheint nachvollziehbar. Aber wer hat es verkauft und wer hat es geschrieben? An dieser Stelle begeben wir uns in das Reich der Vermutungen und Theorien. Wir möchten Ihnen nur die gängigste vorstellen:

Diese Theorie geht davon aus, dass die Autoren des Manuskripts John Dee und Edward Kelly waren und stützt sich auf drei Umstände: 

  • Es wird behauptet, die Nummerierung der Seiten sei in Dees Handschrift geschrieben worden[3].
  • Dees Sohn Arthur erinnerte sich aus den Tagen in Prag, er war da noch ein Kind, dass sein Vater ein Buch mit Hieroglyphen besessen hätte[4].
  • John Dee hätte 630 Dukaten gehabt, als er Prag verließ[5].

Diese Theorie wird von manchen bezweifelt.

Edward Kelly wurde als Edward Talbot 1555 in Worcester, England, geboren. Er arbeitete zunächst als Notar in Lancaster, bis er angeklagt wurde einige antike Dokumente gefälscht zu haben und verjagt wurde, nachdem seine Ohren abgeschnitten worden waren. Er flüchtete nach Wales.

Später zog er unter dem Namen Kelly nach London und arbeitete mit John Dee an alchemistischen Experimenten.

Schließlich gingen beide nach Deutschland, wo sie lebten und arbeiteten. 1585 kamen sie in Prag an, wo der deutsche Kaiser sich sehr für Alchemie interessierte. Kelly wurde in der Zeit zum Trinker und finanzierte sich durch öffentliche Auftritte, in denen er Gold herstellte. Schließlich wurden die beiden Engländer vom Kaiser eingeladen und wiederholten ihre Show erfolgreich. Der begeisterte Rudolph ernannte Kelly zum Ritter von Böhmen und lud ihn ein, bei Hofe zu bleiben. 1591 wurde Rudolph misstrauisch und als Kelly versuchte zu fliehen, wurde er ins Gefängnis auf Burg Zobeslau gesperrt. Mit dem Versprechen seine Goldexperimente für Rudolph offen zu legen, erlaubte dieser seine Rückkehr nach Prag in ein Laboratorium mit Dr. Dee. Als es ihm nicht gelang wieder zu fliehen erstach er in Wut einen Mann, der ihn wohl beaufsichtigen sollte. Zurück im Gefängnis schrieb er dem Kaiser am 14.10.1596 einen lateinischen Brief über die angebliche Bedienung des Steins der Weisen, aber diesmal blieb Rudolph hart.

Im Jahr 1597 versuchte sich Kelly mit einem Seil aus seinem Gefängnis, der Zerner Burg, abzuseilen. Dabei brach er sich ein Bein und seine Schmerzensschreie alarmierten die Wachen. Kurze Zeit später starb er an den Folgen des Sturzes.

John Dee wurde am 13. Juli 1527 in London geboren. Sein Vater war ein angesehener Weinhändler am Hofe Heinrich VIII., was ihm erlaubte, seinem Sohn eine gute Ausbildung zu finanzieren. 1542 begann John Dee seine Studien der Mathematik und Astronomie am St. John’s College in Cambridge. Zwei Jahre später erhielt er seinen Abschluss und reiste nach Holland, um verschiedene Schulen zu besuchen. Nach seiner Rückkehr nach England war er bald gezwungen, das Land wieder zu verlassen, weil er der Zauberei beschuldigt wurde, da die Funktion einer Maschine, die er baute, nicht verstanden wurde.

Er ging nach Paris, wo er an der Sorbonne in Mathematik und Geometrie unterrichtete. Schließlich wurde ihm von Edward VI. der Posten als Rektor in Severn-upon-Severn in England angeboten und er kehrte zurück. Dort kümmerte er sich neben seinen Aufgaben intensiv um seine Astrologischen Forschungen.

Dann, 1553, wurde er wieder der Zauberei angeklagt, diesmal von Queen Mary, die ihr Leben von ihm bedroht sah, und wurde in Hampton Court eingesperrt. Zwei Jahre später kam er durch eine Amnestie wieder frei. In der Folgezeit wurde er von Lord Morely beauftragt, einen günstigen Tag für die Krönung von Elizabeth I. zu finden. Anlässlich dieses Auftrages lernte Dee Elizabeth persönlich kenne und beeindruckte sie so sehr, dass sie Unterricht in Astrologie bei ihm nahm.

In den Folgejahren reiste er oft durch ganz Europa und 1571 kaufte er ein Haus an der Themse und begann kuriose Bücher und Manuskripte zu sammeln. Seine Sammlung belief sich zum Schluss auf über 4000 seltene Bücher und 700 ausgesuchte Manuskripte. Viele finden sich heute im britischen Museum. Als Astrologe wurde Dee sehr bekannt und viele kamen, um bei ihm Rat zu finden. Aber er selbst interessierte sich für Alchemie und hoffte das Elixier des Lebens oder den Stein der Weisen zu finden.

1581 begann Dee mit dem Hellsehen, wobei er durchsichtige Objekte wie Globen oder klare Wasserbehältnisse benutzte. Am 25. Mai 1581 schrieb er in sein Tagebuch, dass ihm der Engel Uriel erschien, der ihm ein konvexes Stück Kristall gab, mit dem er nun mit der spirituellen Welt kommunizieren konnte. Dee tat das sehr oft und bemerkte, dass es nur möglich war, wenn er sich voll und ganz auf den Kristall konzentrierte. Dee konnte sich immer besser in diesen Trancezustand versetzen, aber er war nicht in der Lage, seine Visionen in diesem Zustand aufzuschreiben. Er benötigte einen Assistenten, dem er diktieren konnte, was er sah und hörte, und so kam Edward Kelly in sein Leben.

Als Kelly den Kristall zum ersten Mal sah, hatte er sofort Visionen und von da an jedes Mal. Nun war es Dee der die Visionen aufschrieb und Kelly sah nicht nur Engel sondern auch Teufel, die den beiden Männern nach dem Leben trachteten. Dee war auf naive Weise von diesen Visionen überzeugt. Bald behauptete Dee, er hätte das Elixier des Lebens in den Ruinen der Glastonberry Abbey gefunden. Als das bekannt wurde besuchten ihn immer dubiosere Personen, unter ihnen der vermögende Pole Albert Laski, der beide Männer mit ihren Familien zu sich nach Polen einlud.

Nach 1583 lebten so Dee und Kelly einige Jahre in Polen, wo ihnen Laski alchemistische Forschungen bezahlte. Nach einiger Zeit ging Laskis Geld zur Neige und Dee und Kelly reisten 1587 nach Prag. Dort hatte Dee gesundheitliche Probleme und die beiden Männer stritten sich über das neueste Forschungsprojekt, ein Buch, das „Das Necronomicon“ genannt wurde und von dem Dee eine Kopie vom Alchemisten Jacob Eliezer, dem „schwarzen Rabbi“, erhalten hatte. Dee ängstigte das Buch und er kehrte nach England zurück.

Dort angekommen hieß ihn Elizabeth willkommen und Dee widmete sich wieder der Suche nach dem Stein der Weisen. Doch er fand nichts außer Frustrationen. Schließlich hatte Elizabeth Mitleid mit ihm und gab ihm die Position des Kanzlers der St. Paul Kathedrale in London und den Vorstand des Manchester College, den er bis zu seiner endgültigen Pensionierung 1603 hielt. In dieser Zeit übersetzte er das Necronomicon ins Englische, aber es wurde nie gedruckt. 1608 starb Dee in Armut. Seine Kopie des Necronomicon wurde 1934 aus der Bücherei von Oxford gestohlen.

Es ist durchaus denkbar, dass Dee das Voynich-Manuskript an Rudolph verkaufte, aber beweisbar ist diese Theorie heute nach unserer Meinung nicht. Selbst wenn er der vorherige Besitzer gewesen wäre, hat er es deshalb geschrieben oder stammt es aus seiner 700 Manuskripte zählenden Sammlung? Und wer war dann der Autor?

Aus der Kenntnis des Inhalts kann man auch Vermutungen über die Herkunft anstellen. Aber zunächst wollen wir uns dem Buch selbst und seiner Entschlüsselung widmen.

WEITER
 


[1] Voynich, Wilfrid M., “A Preliminary Sketch of the History of the Roger Bacon Cipher Manuscript”, in: Transactions of the College of Physicians of Philadelphia, Vol. 43, 1921

[2] „Prodromus coptus sive aegypticanus“, 1636

[3] Roberts, R.J. and A.G. Watson (eds): “John Dee's library catalogue.” The bibliographical Society, London. (1990)

[4] Thomas Browne sagte, dass Arthur Dee ihm erzählte, dass John Dee während seines Aufenthaltes in Böhmen ein Buch hatte, "a booke... containing nothing butt Hieroglyphicks, which booke his father bestowed much time upon: but I could not heare that hee could make it out." -- Sir T. Browne, Works, ed. by G. Keynes, 1931, vol. 6, p. 325

[5] Memorandum von Dee, vom 17.10.1586