Die Grundlagen

Zum Verständnis des Folgenden sind einige wenige Basiserkenntnisse wichtig, die Sie in diesem Buch von uns nur kurz dargestellt finden. Es handelt von der Erreichung höherer Bewusstseinsstufen, zu der jeder Mensch fähig ist. Wenn wir diesen Weg gehen, stehen uns nach und nach neue Sinne zur Verfügung, mit denen wir neue ungewöhnliche Wahrnehmungen machen können.

Dieses Wissen ist sehr alt und hat verschiedene, parallel entstandene Ursprünge. In der westlichen Welt geriet es in Vergessenheit, passte wohl nicht in die vorherrschenden kulturellen Zusammenhänge. Aber immer wieder haben sich einzelne Persönlichkeiten dafür interessiert. In den letzten Jahrzehnten jedoch ist dieses Wissen im Westen populärer geworden und spricht größere Bevölkerungsgruppen an. Esoterische Bücher mit diesem Hintergrund finden sich auf Bestsellerlisten wieder. Die hier verbreitete Begriffsführung gründet sich weitestgehend auf altindische Herkunft.

Für ein weitergehendes Interesse führen wir an verschiedenen Stellen Literaturhinweise auf. Wir bieten Ihnen auch Grundlagen- und MS408-Seminare an. Die Informationen hierzu finden Sie unter "Seminare" oder www.ursulapapke.de .

 

1. Aura

Die folgenden Definitionen und Beschreibungen leiten sich aus der indischen Tradition her und haben sich auch im westlichen Kulturkreis durchgesetzt, so dass wir sie ebenfalls benutzen werden.

Parallel zu den fünf bekannten Sinnen des Menschen, Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken, verfügt er über weitere Sinne, deren Zugang aber nicht so offen liegt. Die Amerikanerin Rose Rosetree spricht beispielsweise von elf weiteren Sinnen[1], wir möchten uns da aber lieber nicht festlegen.

Wenn Sie einen Raum betreten, in dem sich viele Leute aufhalten und Sie fühlen eine bestimmte Art von Schwingung, verwenden Sie einen oder mehrere dieser Sinne. Ebenso tun es Leute, die Vorahnungen haben. Diese Sinne können Sie bewusst nutzen, wenn Sie in andere Bewusstseinszustände gehen. Es beginnt oft mit der Wahrnehmung des den Körper z.B. anderer Menschen umgebenden Energiefeldes. Dieses Energiefeld wird Aura genannt. Diese Aura besteht aus verschiedenen übereinander liegenden Schichten. Eine sehr gute Schilderung der Zusammensetzung des menschlichen Energiefeldes finden Sie bei Barbara Ann Brennan[2].

Die Aura ist eine Art Naturprinzip, das alles Lebendige durchströmt. Dieses organisierende Prinzip ist die Basisvoraussetzung für Leben.

In Indien ist diese Energie schon vor 7000 Jahren als Prana, die Quelle allen Lebens bekannt. 500 v. Chr. nennt sie Pythagoras in Griechenland die vitale Energie, der Lichtkörper der Heilung erzeugt. Im 13. Jahrhundert spricht Paracelsus von Illiaster, der Vitalkraft. Im 19. Jahrhundert beschäftigen sich Anton Mesmer, Wilhelm von Leibnitz und Wilhelm von Reichenbach mit der Aura.

 

2. Chakren

Das Wort Chakra entstammt dem Sanskrit und hat die Bedeutung Rad oder Kreis. Sie sind trichterförmige Energiezentren im menschlichen Energiefeld.

Wir haben sieben Hauptchakren, die durch die hindurch fließende Energie miteinander verbunden sind. Der Hauenergiestrom verbindet das Wurzel-Chakra und Kronen-Chakra. Alle anderen Chakren existieren zweifach vorn und hinten. Der Aspekt der Vorderseite ist Gefühl, das der Hinterseite Wille. Neben diesen Hauptchakren existieren noch einundzwanzig Nebenchakren[3].

Jedes Chakra hat eine eigene Funktion.

Dem ersten Chakra, dem Wurzel-Chakra (Sanskrit: Muladhara Chakra, Farbe: rot) am Ende der Wirbelsäuleist das das Zentrum für das Physische, fürs materielle Leben. Es ist die Basise der menschlichen in der materiellen Welt. Wenn es blockiert ist, fühlt sich der Mensch, als habe er keine Wurzeln sowohl in seiner physischen als auch in seiner spirituellen Existenz. Der Energiefluss durch dieses Chakra is die Basis für Balance. Es heißt, dieses Chakra würde von dem Mond beeinflusst.

Das zweite Chakra ist das Sakral-Chakra (Sanskrit: Swadhistana Chakra, Farbe: orange). Es wird in Zusammenhang gebracht mit Sex und Gefühlen. Es arbeitet am besten, wenn der Mensch ein positives Leben ohne Schuldgefühle führt.

Das dritte Chakra wird in verschiedenen Quellen mal beim Solarplexus, mal beim Nabel gesehen und wird daher auch Nabel-Chakra (Sanskrit: Manipura Chakra, Farbe: gelb) genannt. Wenn dieses Chakra unblockiert ist, lebt der Mensch in Frieden mit anderen, ist konstruktiv und sucht nach Lösungen.

Diese drei unteren Chakren werden in Zusammenhang gebracht mit der materiellen Welt.

Das vierte Chakra (Sanskrit: Anahata Chakra, Farbe: grün) ist das Energiezentrum der Liebe zur Menschheit. Ein großer Teil der Interaktionen zwischen Menschen finden auf dieser so genannten astralen Ebene statt. Alle Energie muss durch das Herz. Es ist das Tor der physischen zur spirituellen Welt. Zu ihm gehören zwei kleinere Chakren an den Handinnenflächen. Das Herzchakra steht für die astrale Ebene.

Das Kehlchakra, das fünfte Chakra (Sanskrit: Visuddha Chakra, Farbe: blau) ist das erste spirituelle Energiezentrum. Es wird in Zusammenhang gebracht mit der Kraft des Wortes, dem Zuhören und die Übernahme von Verantwortung. Dieses Chakra wird zum Heilen verwendet, braucht aber immer die Energie vom Herzen.

Das dritte Auge, das sechste Chakra (Sanskrit: Ajna Chakra, Farbe: violett) sitzt zwischen den Augenbrauen. Es ist das zweite spirituelle Energiezentrum und steht in Zusammenhang mit universeller Liebe, die alles Lebendige umfasst. Es ist das Zentrum für Hellsehen, Visionen und Transzendenz.

Das siebte, das Kronen- oder Scheitelchakra (Sanskrit: Sahasrara Chakra, Farbe: weiß), ist bekannt als das Chakra des höheres Bewusstseins und des Einklangs von Körper und spirituellem Dasein.

Der Zustand jedes Chakras steht in Verbindung mit dem Stand seiner mentalen Entwicklung, aber auch mit seiner Gesundheit. Hier setzt zum Beispiel die Heilmethode Reiki an. Wenn der Energiefluss durch ein Chakra reibungslos funktioniert, spricht man von einem geöffneten Chakra.

Chakren und Auren lassen sich auch messen und fotografieren: durch die Kirlianfotografie. Ein Buch inklusive Bauanleitung für das Instrument findet man bei Willi Franz[4]. Fertige Sensoren mit Software zum Anschluss an den Computer kann man in den USA kaufen. Hier ist so ein Messergebnis abgebildet.

Ein Bild von den Chakren kann man auch schon z.B. bei dem Theologen Johann Georg Gichtel[5] (1638 – 1710) finden.

 

3. Kundalini

 

Wie schon erwähnt, besteht zwischen dem untersten und dem obersten Chakra eine dynamische energetische Verbindung, die in der indischen Tradition Kundalini genannt wird[6]. Die Kundalini-Kraft verläuft in drei Energiesträngen, wobei der Hauptstrang, Sushumna genannt, im Bereich der Wirbelsäule verläuft und von den beiden anderen, Ida und Pingala genannt, locker umschlungen wird. Das Energiepotential in diesen Strängen steht in Zusammenhang mit der Vitalität des Menschen.

 

 

4. Esoterik im mittelalterlichen Europa

Um MS408 verstehen zu können, muss man sich nicht nur mit den zuvor erwähnten Begrifflichkeiten auseinander setzen, sondern auch die Sichtweise im Europa des Mittelalters auf diese Zusammenhänge berücksichtigen.

Wir wollen dies hier am Beispiel eines der berühmtesten Philosophen dieser Zeit aufzeigen: Paracelsus. Dieser wurde 1493/94 in Einsiedeln in der Schweiz als Theophrastus von Hohenheim geboren. Sein Vater war Arzt und zog 1502 mit seinem Sohn nach Villach in Kärnten, Österreich, um dort Stadtarzt zu werden. 1515 beendete Paracelsus, wie er sich selbst später nannte das Studium der Medizin und Chirurgie in Ferrara als Doktor. Neben dieser Ausbildung interessierte er sich aber auch für Naturheilkunde und Alchemie. In mehreren Kriegen diente er als Feldarzt, bis er 1527 in Basel Stadtarzt und Dozent der Baseler Universität wurde. Seine medizinischen Reformbestrebungen und sein streitbarer Intellekt beendeten jedoch alsbald seine Karriere und er zog durch verschiedene Orte in Deutschland und Österreich. Dennoch verbrachte er viel Zeit in Laboren und schrieb unermüdlich Bücher, von denen jedoch nur wenige erschienen, da er mit einem Druckverbot belegt war. Arm, krank und einsam starb Paracelsus am 24. September 1541 in Salzburg.

In seiner „Philosophia sagax“ gibt Paracelsus eine Siebenteilung des Menschen an[7]. Diese Teilung umspannt die drei Elemente des Menschen: Körper, Seele und Geist. In der folgenden Abbildung finden Sie das System des Paracelsus.

Der erste Prinzip, der Körper, wird von Paracelsus auch roter Löwe genannt. Er muss sich zu einem Teil in einen weißlichen Adler verwandeln, um in die Höhe aufzusteigen. Dieser Adler, als zweites Prinzip, ist das alleinige Mittel zur Erneuerung des menschlichen Körpers, der Wiedergeburt. Das dritte Prinzip nennt er Goldglanz, der mit den beiden anderen untrennbar verbunden ist.

Auf die Tore und Transformationen, die wir dazu gezeichnet haben, bezieht sich im Folgenden das MS408 intensiv. Wir werden an verschiedenen Stellen der Übersetzung darauf Bezug nehmen. Ganz rechts haben wir mit den Spiralen die etwa entsprechenden Chakren aufgeführt.

 

 

5. Choral und Neume

Ein Choral ist ein einstimmiger Gesang, der in seiner sakralen Form eine Weise intensiven Betens ist. Aus religiöser Sicht ist sein Komponist, der Hymnograph, nur ein Geburtshelfer der spirituellen Grundbilder zu akustischer Gestalt. Diese Grundbilder geben die schöpferischen Gedanken Gottes wieder, die transzendent nur spirituell über die Herzebene erfahrbar sind. Durch den Gesang des Chorals nehmen sie irdische Gestalt an und sprechen direkt zur Geistseele (7. Grad des Paracelsus). Der Choral ist ein übersprachliches Medium, das sich an geistige Energien anknüpfen kann und so zur Empfindung ihrer kreisenden Bewegungen führen kann[8].

Seine Melodien bestehen aus kleineren Figuren, die wiederum aus mehreren Tönen bestehen. Jede der acht Kirchentonarten besitzt eine Reihe charakteristischer Melodiefiguren, die sich wie die Wörter oder Silben einer Sprache wieder erkennen lassen, und die man zu Melodien zusammenfügt. Diese Melodiepartikel heißen Neumen und bilden den Wortschatz des Chorals. Neumen sind auch die graphischen Zeichen, mit denen die Melodiepartikel aufgeschrieben werden. Diese graphischen Zeichen entstanden aus den Gesten, die der Chorleiter in die Luft zeichnete.

Im Folgenden finden Sie ein um das Jahr 1000 herum entstandenes Beispiel für die Neumen des Kodex Einsiedln des Klosters St. Gallen:

Den Neumen wohnt eine eigene Symbolik inne, was bedeutet, dass das Erscheinen einer Neume eine Bedeutung hat.

Häufig wird der Grundton der Melodie, der Ison aufgenommen  und als klangliche Verstärkung des jeweiligen Grundtones gesungen. Es bedarf langer Übung, den Ison zu singen. Der Chor, der den Ison singt, symbolisiert die All-Einheit. In seinem harmonikalen Zahlenwert entspricht der Ison der 1, ist also Bild des Anfangs, des Ursprungs und somit Symbol des ewigen Urgrundes, Symbol Gottes selbst.

Sobald sich das Melisma (Teile der Melodie, die charakteristisch für dieses Stück sind) aus dem Ison erhebt, tritt im Symbol die zweite Gestalt der göttlichen Dreiheit hinzu, der Logos, das ewige Wort. Das Melos des Chorals erwächst auf allen Ebenen aus dem Wort. Das Choralmelos ist Widerhall „des Wortes vor allen Wörtern“, der Gedanken Gottes.

Ein Ansatz der Zeichenentwicklung des MS408 ist vielleicht hier zu finden. Es gibt viele Parallelen zu den Neumen, auf die wir in der Übersetzung noch eingehen werden.

WEITER
 


[1] Rose Rosetree, „Die Aura erkennen – mit allen Sinnen“, Integral-Verlag, München, 2002, S. 22 (Originalausgabe: „Aura Reading Through All Your Senses“, 1998)

[2] Barbara Ann Brennan, „Licht-Arbeit“, Goldmann-Verlag, München, 1989 (Originalausgabe: „Hands of Light“, 1987)

[3] Siehe dazu auch: Dr. David Tansely, „Energiekörper“, Kösel, München, 1985

[4] Willi Franz, „Handbuch der Kirlianfotografie“, Naglschmid, Stuttgart, 1997

[5] Johann Georg Gichtel, „Eine kurze Eröffnung und Anweisung der dreyen Principien und Welten im Menschen“, Regensburg, 1696

[6] Siehe auch: Horst Krohne, „Die Schule der Gesistheilung“, Ansata Verlag, München, 1999

[7] Siehe auch: Max Retschlag, „Die Alchemie und ihr großes Meisterwerk der Stein der Weisen“, Hummel Verlag, 1934

[8] Siehe auch: S’chi-Archimandrit Johannes, „Der Deutsche Choral“, Kloster Buchhagen Verlag, Buchhagen, 2002